Dein Gehalt hat sich seit deiner Ausbildung stetig erhöht, doch trotzdem scheint am Ende des Monats nicht mehr Geld übrig zu bleiben? Die Gründe dafür liegen zum einen in der allgemeinen Inflation, die dazu führt, dass Produkte im Laufe der Zeit teurer werden. Zum anderen spielt auch ein Phänomen namens „Lifestyle Inflation“ eine Rolle. Was das ist und wie du Lifestyle Inflation vermeiden kannst, erfährst du in diesem Blogartikel.

Was ist Lifestyle Inflation? Eine Definition

Lifestyle Inflation tritt ein, wenn Menschen ihren Lebensstil und ihre Ausgaben anpassen, sobald sie mehr Geld verdienen. Es ist ein natürlicher Reflex, den Lebensstandard zu verbessern, wenn sich die finanzielle Situation verbessert. Leider kann dieser Prozess dazu führen, dass wir unsere finanzielle Situation aus den Augen verlieren und es uns schwerer fällt, unsere finanziellen Ziele zu erreichen. Besonders zu Beginn unserer Karriere ist es wichtig, Lifestyle Inflation zu vermeiden, um langfristig finanziellen Erfolg zu erlangen.





Ein typisches Beispiel für Lifestyle Inflation tritt auf, wenn wir nach dem Abschluss unserer Ausbildung oder unseres Studiums unseren ersten Vollzeitjob beginnen. Während des Studiums hatten wir möglicherweise ein monatliches Budget von 900 € und waren mit einem einfachen Lebensstil zufrieden.

Beispiel: Studium/ Ausbildung (900 € p.M. zur Verfügung):

  • Öffentliche Verkehrsmittel – kein Auto
  • WG-Zimmer / 1-Zimmer-Wohnung
  • Essen aus der Mensa, selbst gekocht
    = Am Ende des Monats bleiben 25 € übrig

Im ersten Vollzeitjob haben wir plötzlich 2500 € netto zur Verfügung. Das erste eigene Auto, Fernreisen und andere Annehmlichkeiten kommen nun in greifbare Nähe:

Beispiel: 1. gut bezahlter Job (ca. 2500 € p.M. zur Verfügung)

  • Das erste eigene Auto
  • 2-3 Zimmer-Wohnung
  • Häufiger Take-away
  • Eine Fernreise pro Jahr
    = Am Ende des Monats bleiben 70 € übrig.

Trotz einer Gehaltssteigerung von 1400 € pro Monat haben wir nur einen geringfügigen zusätzlichen Betrag von 45 €, den wir investieren oder sparen können, verglichen mit unserem früheren Budget. Obwohl die Inflation sicherlich zu höheren Kosten führt, zeigt dieses Beispiel deutlich, dass die Gehaltserhöhung größtenteils durch einen gesteigerten Lebensstil aufgebraucht wird.

Lifestyle Inflation führt dazu, dass wir unser Einkommen verbrauchen, anstatt es für zukünftige Bedürfnisse zurückzulegen.

Lifestyle Inflation - 10 Möglichkeiten Geld zu investieren

Warum es wichtig ist, Lifestyle Inflation am Anfang der Karriere zu vermeiden?

Lifestyle Inflation ist insbesondere am Anfang der Karriere tückisch. Der größte Hebel beim Sparen liegt oft zwischen dem Abschluss der Ausbildung und den ersten Jahren im Berufsleben. Doch warum genau?

Grund 1 – Wenige Verpflichtungen und geringe Fixkosten

In dieser Phase bestehen noch kaum finanzielle Verpflichtungen (z.B. für Kinder, Hochzeit, Hausbau usw.). Viele sind noch Single und nur für sich selbst verantwortlich, wodurch die Fixkosten niedrig gehalten werden können.

Grund 2 – Gesellschaftliche Akzeptanz

Gesellschaftlich ist es eher in den 20ern als in den 40ern akzeptiert, einen einfachen Lebensstil zu führen. Der Druck, mit anderen Schritt zu halten, ist in jungen Jahren geringer. Es ist beispielsweise üblich, noch in einer WG oder bei den Eltern zu leben.

Grund 3 – Zeit und der Zinseszinseffekt

Theoretisch kann man auch erst mit 40-50 Jahren, wenn man am Höhepunkt seiner Karriere angekommen ist, anfangen Geld zu investieren. Doch es lohnt sich, so früh wie möglich mit dem Sparen anzufangen, selbst wenn es nur kleine Summen sind! Wer bereits in den 20ern 200 € investiert, profitiert im Laufe der Zeit vom Zinseszinseffekt. Je länger das Geld investiert ist, desto mehr kann es für uns arbeiten.

Grund 4 – Später wird es nicht leichter zu sparen

Im Laufe des Lebens kommen immer mehr finanzielle Verpflichtungen hinzu. Wir müssen möglicherweise für Kinder oder pflegebedürftige Eltern sorgen und ein Haus abbezahlen, das Reparaturen erfordert. Die Kosten steigen in den 40ern aufgrund verschiedener Lebensumstände deutlich an.

Grund 5 – Größter Hebel

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Gründe den größten Hebel für die meisten Menschen zu Beginn ihrer Karriere darstellen. Warum also später mit großer Anstrengung sparen, wenn man frühzeitig Lifestyle Inflation vermeiden kann und mühelos starten kann, um am Ende durch den Zinseszinseffekt mehr zu erreichen?





Weitere Vorteile – Reduzierung der Lifestyle Inflation

Zusätzlich zu den oben genannten Punkten gibt es weitere Vorteile, die mit der Bildung von Rücklagen einhergehen.

  • Beruhigter leben: Durch das Vorhandensein von Rücklagen und niedrigen Fixkosten kann man gelassener auf unerwartete Kündigungen reagieren, flexibler den Job wechseln und Chancen ergreifen. Selbst der Traum von der Selbstständigkeit kann dadurch realisiert werden.
  • Bedachter Lebensstil: Es ist leicht, den Lebensstil zu erhöhen, aber schwierig, ihn wieder zu reduzieren, insbesondere wenn man in eine finanzielle Notlage gerät. Daher ist es ratsam, Ausgaben langsam und bewusst zu erhöhen und finanzielle Verpflichtungen sorgfältig zu prüfen.
  • Einfluss der sozialen Medien: Durch den Einfluss der sozialen Medien und den hektischen Alltag entsteht der Drang, alles sofort und möglichst frühzeitig zu besitzen. Reisen in ferne Länder, moderne Wohnungen, Leasing-Autos, modische Kleidung und die neueste Elektronik sollen am besten sofort verfügbar sein. Dies führt jedoch dazu, dass bereits zu Beginn der Karriere Fixkosten, Kredite und Ausgaben ins Unermessliche steigen, und bei plötzlicher Arbeitslosigkeit droht sogar Überschuldung.
  • Träume verwirklichen: Es ist wichtig, seine Träume nicht bis ins hohe Alter aufzuschieben, da niemand weiß, wie lange er leben wird. Dennoch ist es ratsam, bewusster und maßvoller zu konsumieren, um die Lifestyle Inflation einzudämmen. Dies hilft enorm dabei, auch später noch besondere Erlebnisse genießen zu können. Ein toller Urlaub oder ein besonderer Restaurantbesuch, bei dem wir darauf gespart haben, fühlen sich viel besser an als sofortigem Konsumreizen zu erliegen.

10 Tipps, wie du Lifestyle Inflation im Alltag vermeiden kannst

  1. Setze dir klare finanzielle Ziele. Wenn du weißt, was du erreichen möchtest, kannst du deine Ausgaben besser planen und kontrollieren.
  2. Erstelle einen Haushaltsplan. Indem du deine Einnahmen und Ausgaben aufschreibst, kannst du sehen, wo du Geld sparen kannst.
  3. Verwende das 50/30/20-Prinzip. Verwende 50 % deines Einkommens für Notwendigkeiten, 30 % für Wünsche und 20 % für Sparen und Investieren.
  4. Vermeide den Kauf von Dingen, die du nicht brauchst. Frage dich immer, ob du das Produkt wirklich benötigst, bevor du es kaufst.
  5. Optimiere deine Ausgaben. Kündige ungenutzt Mitgliedschaften, und prüfe, ob du Ausgaben hast, die du durch günstigere Alternativen ersetzen kannst (z.B. Kontogebühren, Stromanbieter)
  6. Bezahle dich zuerst. Definiere einen Betrag, den du jeden Monat zurücklegen / investieren möchtest und überweise ihn per Dauerauftrag am Anfang des Monats auf dein Sparkonto. So legst du automatisch monatlich Geld zurück. Wenn du die Summe sparst, die am Ende des Monats übrig bleibt, wirst du weniger Anreize haben, mit weniger hauszuhalten.
  7. Lebe nicht über deinen Verhältnissen. Nur weil du etwas bezahlen kannst, heißt es nicht, dass du es dir leisten kannst.
  8. Vermeide den Kauf von Dingen auf Kredit. Versuche alles bar zu bezahlen, um Schulden zu vermeiden.
  9. Spare nicht nur, sondern investiere Geld in deine Zukunft. Lege einen Teil deines Einkommens in Aktien, Anleihen oder Immobilien an, um Vermögen aufzubauen und bilde dich mit Büchern und Kursen weiter.
  10. Belohne dich und genieße dein Leben im Jetzt. Es ist wichtig, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Genuss im Hier und Jetzt und dem langfristigen Sparen zu finden. Eine Belohnung bei Gehaltserhöhungen oder erreichten Zielen ist eine gute Möglichkeit, sich selbst zu motivieren. Auch ich persönlich habe mich bei jeder Gehaltserhöhung mit etwas Besonderem belohnt. Allerdings war es für mich wichtig, darauf zu achten, dass diese Belohnungen keine langfristigen finanziellen Verpflichtungen nach sich ziehen. Ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung ist, als ich einen Jobwechsel hatte und eine Gehaltserhöhung von 400 € netto pro Monat aushandeln konnte. Anstatt sofort in eine größere Wohnung zu ziehen, entschied ich mich dafür, einen Kurzurlaub für 400 € zu genießen. In den folgenden Monaten konnte ich dann die gesamten 400 € sparen, ohne langfristig an höhere Fixkosten gebunden zu sein.Bonus Tipp: Nutze eine App, mit der du deine Ausgaben im Blick behalten kannst. Ich empfehle dir z.B. Finanzguru. Insbesondere, wenn man mehrere Konten und unterschiedliche Verträge hat, kann man so seine Ausgaben im Blick behalten und seine Budgets bequem per App planen.




Worum es bei der Vermeidung von Lifestyle Inflation nicht geht

Mehr Geld zur Verfügung zu haben, verführt uns sehr schnell dazu, auch Ausgaben zu tätigen, die eigentlich nicht nötig sind. Bei der Reduzierung der Lifestyle Inflation geht jedoch nicht darum, sich nichts mehr zu gönnen und bis an sein Lebensende auf 30qm zu leben. Es geht vielmehr um den bewussten Konsum und das bedachte Anheben des Lebensstandards, um Dinge, die wirklich zu unser Wohlbefinden beitragen.